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Profil von Dipl. Pädag.in Barbara Zwerschitz (GRÜNE)

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Es ist 1 Frage vorhanden:

THEMA: Bildung und Schulen
27.08.2008
Frage von Name des Fragestellers Name des Fragestellers
Sehr geehrte Frau Zwerschitz,

als Pädagogikstudentin und Diplomandin würde ich gerne wissen, wie Sie als Fachfrau aus der Praxis über die "(Neue) Mittelschule" denken.

In anderen Ländern dauert bekanntlich die Volksschule bekanntlich länger, etwa sechs Jahre. Ab welchem Alter sollte - wenn überhaupt - eine Differenzierung zwischen Schulformen/Klassenzügen etc. vorgenommen werden?

Wer sollte über die Aufnahme von SchülerInnen entscheiden und nach welchen individuellen und sozialen Kriterien (Homogenität, Integration...)?

Welche Unterschiede bestehen Ihrer Meinung nach zwischen ländlichen und urbanen (Volks-)Schulen?
Insbesondere würden mich dazu Ihre eigenen Erfahrungen interessieren.

Vielen Dank für Ihre Antwort!
28.08.2008
Antwort von Barbara Zwerschitz

Barbara Zwerschitz
Sehr geehrte Frau Vorname des Fragestellers!

Vielen Dank für Ihre Fragen, die ich nun möglichst detailiert aber nicht zu lange beantworten möchte:

Grundsätzlich ist die Neue Mittelschule ein Schritt in die richtige Richtung, aber jedenfalls viel zu wenig. Weder brauchen wir weitere Schulversuche (In Graz gibt es das seit Jahren und auch andere Länder machen es uns vor) noch ist es sinnvoll weiterhin alle Schulformen anzubieten. Eine derartige Schulform macht dann Sinn, wenn alle Kinder sie besuchen. Es braucht ein Pflichtprogramm und entsprechend Übungsmöglichkeiten/ Förderstunden für schwächere bzw. Zusatzangebote für sehr gute SchülerInnen. Die Vorbehalte von LehrerInnen verschiedener Schultypen insbesondere der AHS bzw. von Eltern liegen sicher auch an der mangelnden Einbindung der handelnden Personen.

Gerade für die gemeinsame Schule wäre auch eine gemeinsame Ausbildung an
den Universitäten aller Lehrenden nötig, um Synergien zu nutzen und mehr Vernetzung unter den verschiedenen AusbilderInnen zu erreichen.Selbstverständlich bin ich gegen die Trennung von 10-Jährigen in aussichtsreiche und weniger aussichtsreiche (der Zusammenhang zwischen der frühen Trennung und der sozialen Schicht wird nicht umstritten): Die Festlegung zu diesem frühen Zeitpunkt bedeutet eindeutig eine zu frühe Teilung in Einkommensmöglichkeiten. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass es nach einer Lehre wesentlich schwieriger ist, die Matura nach zu machen als statt dessen. Daher bin ich klar für eine Trennung der SchülerInnen erst mit 14 Jahren. In der Volksschule stellt den gemeinsamen Unterricht auch niemand in Frage!

Ihre Frage zur Aufnahme der SchülerInnen verstehe ich nicht, da ich selbstverständlich davon ausgehe, dass sowohl in den Volksschulen als auch in der "Gemeinsamen Schule" alle Kinder aufgenommen werden. Den Beschluss, dass Eltern dafür sorgen müssen, dass ihre Kinder bei Schuleintritt Deutsch können habe ich übrigens zutiefst abgelehnt, weil nur mit Angeboten etwas an der Situation geändert werden kann. Außerdem, was soll passieren? Dass Kinder nicht in die Schule gehen dürfen? Eltern eine Geldstrafe erhalten? Leider wurde diese unsinnige Regelung trotzdem mehrheitlich beschlossen!

Unterschied Stadt- Land:
Hier kann ich auf meine Praxis zurück greifen, wenn auch meine Tätigkeit in Wien schon länger her ist. Ich habe an unterschiedlichsten Schulen gearbeitet. In ländlichen Regionen sogar mit idealen 10 SchülerInnen. Da kann selbstverständlich auf den/ die Einzelne wesentlich besser eingegangen werden. Überdies waren die Mütter oft zuhause, weil es für sie keine anderen Arbeitsmöglichkeiten gab oder sie am Hof arbeiten mussten, weil der Vater auspendeln musste. Es gab wesentlich mehr Freiraum zum Austoben, dafür stand die Lehrerin viel mehr unter Beobachtung, waren Lehrmittel für die kleine Gemeinde schwer leistbar (abgesehen von der Grundausstattung), war der Schulweg oft lang und mühsam und gab es selten neue KollegInnen, die ungewohnte Ideen einbrachten. In der Stadt ist die Personalsituation mit Fachleuten oft besser, das Aggressionspotential teilweise höher, die SchülerInnen und LehrerInnen oft gestresster. Die Schulen sind oft sehr unterschiedlich, je nachdem ob mehr oder weniger problematische SchülerInnen dort sind. Dafür haben die Eltern die Wahl, wo ihre Kinder die Schule besuchen, was nicht nur Vorteile hat.

Ich hoffe Ihnen mit meiner Antwort gedient zu haben. Ansonsten melden
Sie sich ruhig wieder!
Mit freundlichen Grüßen
B. Zwerschitz
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